Daniel Heil | Rad des Dharma
05.11.2022 - 03.12.2022




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Daniel Heils Werke konstituieren sich in besonderem Maße durch ihren Arbeitsprozess. Die neuesten Gemälde des Düsseldorfer Künstlers fokussieren sich auf substanzielle Gegebenheiten, welche einem ganzheitlichen ontologischen System zugrunde liegen. Eine Besinnung zum Zen-Buddhismus – zu Kontemplation und Meditation – veranlassen Daniel Heil zur Reduktion seiner formalen Ästhetik, um die es auch im Titel geht: Das Rad des Dharma, die Lehre aus Moral und Ethik, begründet den Weg ins Nirvana. Ein holistischer Ansatz, der sowohl für Daniel Heils Werke als auch für eine funktionierende Gesellschaft essenziell ist, jedoch aus seiner Sicht in der heutigen postindustriellen Zeit zusehends vernachlässigt wird. Kernstück der Ausstellung in der Galerie Voss ist eine blaue Serie, welche diese holistische Idee in vitaler Ästhetik aufgreift. Ihre malerischen Strukturen basieren auf Detailaufnahmen von Wasser, Feuer und Algen, welche der Künstler nach intensiven Beobachtungen der natürlichen Substanzen anfertigte. In den vergrößerten Fotos der teils gegensätzlichen Elemente fand Heil ähnlich gewundene Linien. Jenes natürliche Ornament wird in seiner charakteristischen Pinselführung auf die Leinwand übersetzt. Der Duktus ist durch die Hand des Künstlers kontrolliert, aber wird auch vom Zufall und strukturellen Gegebenheiten über die aufwendig grundierte Leinwand navigiert. Das Fließen der wellenartigen Pinselstriche wirkt so dynamisch, dass man sich den präzisierten und zugleich meditativen Gestus des Künstlers bei der Ausführung vorstellen kann. Daher spielen Rhythmik – Daniel Heil hört in letzter Zeit bevorzugt klassische Musik diverser Epochen bei der Arbeit – und Zeit eine wichtige Rolle. Durch die Applikation von Spray-Paint bei einigen Werken wird die aufgetragene Farbe im Kontrast zum eher pastosen Acryl diffusiver und Ebenen erscheinen durchlässiger. Grundsätzlich gehört der gestische Farbauftrag bei Daniel Heil gleichermaßen zum Werk wie das fertige Endprodukt. Diese Dynamik findet man auch in seinen früheren Arbeiten wieder und wurde in Essays von David Galloway und Thomas Wolfgang Kuhn (2018) detaillierter beschrieben. Jedoch ist die neue Serie nicht zentriert, sondern über den Bildrand hinausragend angelegt. Wie endlose Fugen eines Chorals schwingen die Farblinien in die Weiten sakraler Hallen hinaus. Ihre Fortsetzungen können von Betrachtenden imaginativ erahnt werden und sich bis in die Unendlichkeit winden. Sie verstehen sich als Detailaufnahmen eines großen Ganzen. Das Thema der Dynamik, resultierend aus jener gestischen Rhythmik, wiederholt sich in Heils Kompositionen aus Grafitpulver und Holzkohle auf Leinwand. Doch manifestiert sich dieses Thema nicht wie in der blauen Serie vorwiegend durch den manuell präzisierten Farbauftrag, sondern auch durch die Eigenwilligkeit des Zufalls. Denn Grafitpigmente und Kohle werden vom Künstler regelrecht auf eine Tischplatte geworfen und daraufhin in der Horizontalen mit einem Holzpaneel in die grundierte Leinwand gerieben. Wie zuvor angedeutet sind ein stundenlanges, mehrschichtiges Auftragen und Abschleifen der weißen Grundierung auf der Leinwand Teil des Prozesses. Auf diese Weise verschwinden Inkongruenzen des rohen, natürlichen Materials und generieren eine plane Ebene, auf der sich nun durch eine gleichmäßige Druckverteilung das zunächst leicht kristallin glänzende Grafitpulver flächig distribuieren lässt. Wird der am Tisch befestigte, grundierte und daraufhin in aktionsartigen Bewegungen verriebene Bildträger schlussendlich wieder vom Künstler auf den Keilrahmen gespannt, entsteht durch das Grafit ein matter Hintergrund, welcher von den tiefschwarzen Kohlefragmenten akzentuiert wird. In diesem energetischen Prozess erhalten Daniel Heils Werke ihre stoffliche Tiefe aus zwei Ebenen, die in einem Spannungsverhältnis zueinander stehen. Mit der zuvor besprochenen blauen Serie interagieren sie dialogisch: Sie könnten für ein Sinnbild der Dichotomie aus Rationalität und Affekt, bzw. Askese und Hedonismus, stehen, welche wiederum für die buddhistische Ethik von Bedeutung ist. Auch wenn man es durch die Reduktion und die buddhistischen Parallelen vermuten möchte, verlangen die gestischen Formen des Künstlers nicht nach einem spezifischen Vorwissen über den abstrakten Expressionismus der 1950er Jahre. Vergleiche zu westlichen kunsthistorischen Vorgängern zu ziehen ist verführerisch, sie verschleiern jedoch die weitaus ältere Tradition der ostasiatischen Kultur. Einen Bezug zum japanischen Steingarten, dem Kare-san-sui, herzustellen, dessen Kurven an Daniel Heils blaue Kompositionen erinnern, wäre beispielsweise zutreffender. Kunst sollte daher nicht ausschließlich aufgrund ihrer Selbstreferenzialität rezipiert werden. Denn obwohl sich Daniel Heil mit zeithistorischen und kontemporären Positionen auseinandersetzt und ihn sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Katharina Grosse prägte, bezieht er seine Inspiration vorzugsweise aus der Natur. Seine Selbstgespräche, wie der Titel der Veröffentlichung im Kerber-Verlag (2018) über seine Kompositionen verlautet, verfügen über ein Eigenleben. Sie sind eigensinnig, dennoch substanziell und dadurch in ihrer formalen Ästhetik universell zugänglich. Theresa Wirtz, Düsseldorf



./ Teilnehmende Künstler


Daniel Heil


Ausstellungen Übersicht

 
  SELECTION | Part 2
16.12.2022 - 21.01.2023


 
  Daniel Heil | Rad des Dharma
05.11.2022 - 03.12.2022


 
  Claudia Rogge | KETTE und SCHUSS
27.08.2022 - 29.10.2022


 
  Éder Oliveira | Oposición
24.06.2022 - 30.07.2022


 
  Fábio Baroli | Wo der Wind sich dreht
06.05.2022 - 18.06.2022


 
  Frank Bauer | Bilder vom Verschwinden
12.03.2022 - 30.04.2022


 
  Selection
08.02.2022 - 05.03.2022


 
  Harding Meyer | known unknowns
29.10.2021 - 18.12.2021


 
  Kate Waters | It takes one to know one
27.08.2021 - 23.10.2021


 
  Giacomo Costa | Atmospheres
28.05.2021 - 03.07.2021


 
  Idowu Oluwaseun | REVOLUTIONS PER MINUTE: a synthesis of time and sound
30.10.2020 - 12.12.2020


 
  Peter Uka | Inner Frame
28.08.2020 - 24.10.2020


 
  Harding Meyer | new works
05.06.2020 - 15.07.2020


 
  Mary A. Kelly | Chair
14.03.2020 - 30.05.2020


 
  Michael Tolloy | Solid Solidarity
17.01.2020 - 29.02.2020


 
  Kate Waters | Love Shacks and other Hideouts
18.10.2019 - 09.01.2020


 
  Frank Bauer | Wege in die Ungenauigkeit
30.08.2019 - 12.10.2019


 
  Christian Bazant-Hegemark | Kindness of Strangers
07.06.2019 - 13.07.2019


 
  Sandra Ackermann | Escape into your Reality
03.05.2019 - 01.06.2019


 
  Kay Kaul | Cloudbusting
08.03.2019 - 27.04.2019


 
  Jurriaan Molenaar | Fermate
18.01.2019 - 02.03.2019


 
  Harding Meyer / Humanize
19.10.2018 - 12.01.2019


 
  Mihoko Ogaki / Soft Landing
31.08.2018 - 13.10.2018


 
  Peter Uka / Fragment of the Present Passed
13.04.2018 - 26.05.2018


 
  Daniel Heil / Selbstgespräche
09.03.2018 - 07.04.2018


 
  Düsseldorf Photo Weekend 2018
16.02.2018 - 18.02.2018


 
  Sandra Senn / Zwischen Zwei Meeren
26.01.2018 - 03.03.2018


 
  Frank Bauer / Die Gelassenheit der Dinge
17.11.2017 - 20.01.2018


 
  Kate Waters / Whistling In The Dark
01.09.2017 - 11.11.2017


 
  Untitled
12.07.2017 - 02.08.2017


 
  Davide La Rocca / 13K ( Teil 1 )
12.05.2017 - 27.06.2017


 
  Sandra Ackermann / Lost in Nothingness
24.03.2017 - 06.05.2017


 
  Claudia Rogge / CONCENTRATION
27.01.2017 - 18.03.2017


 
  Christian Bazant - Hegemark / The Rise and Fall of Transformative Hopes and Expectations
11.11.2016 - 21.01.2017


 
  Harding Meyer / The Others
26.08.2016 - 05.11.2016


 
  Crossing Borders
03.06.2016 - 15.07.2016


 
  Sandra Senn / Flüchtiges Getriebe
08.04.2016 - 21.05.2016


 
  Corrado Zeni / Éloge de la fuite
27.11.2015 - 09.01.2016


 
  Claudia Rogge / PerSe
16.10.2015 - 21.11.2015


 
  Kate Waters // Tell it like it is
28.08.2015 - 10.10.2015


 
  Visions Of Sensory Space ( by Weightless Artists Association - SPARTNIC )
15.05.2015 - 04.07.2015


 
  Sandra Ackermann / Wasteland
13.03.2015 - 02.05.2015


 
  Lost Scapes
30.01.2015 - 07.03.2015


 
  Christian Bazant-Hegemark / Calibrating Aesthetics
14.11.2014 - 17.01.2015


 
  Frank Bauer / Back to Basics
29.08.2014 - 08.11.2014


 
  Harding Meyer // recent paintings
23.05.2014 - 23.08.2014


 
  Till Freiwald / memoria
11.04.2014 - 17.05.2014


 
  Quadriennale Düsseldorf 2014 / Gallery Evening
05.04.2014 - 05.04.2014


 
  Giacomo Costa // Traces
22.11.2013 - 11.01.2013


 
  DC-Open Galleries: Matthias Danberg - Inventory by Appropriation
06.09.2013 - 16.11.2013


 
  Christian Bazant-Hegemark // VOW OF SILENCE
24.05.2013 - 20.08.2013


 
  Corrado Zeni // Generation Why
12.04.2013 - 18.05.2013


 
  behind the Non-Colours
22.03.2013 - 06.04.2013


 
  Sandra Ackermann // Running to stand still
15.02.2013 - 16.03.2013


 
  Düsseldorf Photo Weekend 2013
01.02.2013 - 09.02.2013


 
  Mihoko Ogaki // Star Tales - White Floating
30.11.2012 - 31.01.2013


 
  Claudia Rogge / Lost in Paradise
12.10.2012 - 24.11.2012


 
  Harding Meyer // features
07.09.2012 - 06.10.2012


 
  Summer 2012 - Part 2
10.08.2012 - 01.09.2012


 
  Summer 2012
06.07.2012 - 01.09.2012


 
  Maria Friberg // The Painting Series
11.05.2012 - 23.06.2012


 
  Mary A. Kelly // Father & Child
30.03.2012 - 06.05.2012


 
  Maia Naveriani // Future Wolves and Chicks so far
10.02.2012 - 24.03.2012


 
  Düsseldorf Photo Weekend 2012
04.02.2012 - 08.02.2012


 
  Kate Waters // The Air that I breathe
09.12.2011 - 28.01.2012


 
  Frank Bauer / ...den Wald vor lauter Bäumen....
04.11.2011 - 03.12.2011


 
  Claudia Rogge // Final Friday
09.09.2011 - 29.10.2011


 
  Davide La Rocca - STILLS
27.05.2011 - 16.07.2011


 
  Giacomo Costa // Post Natural
01.04.2011 - 21.05.2011


 
  Harding Meyer - to be a real vision
18.02.2011 - 26.03.2011


 
  Shannon Rankin - Disperse / Displace
03.12.2010 - 12.02.2011


 
  Sandra Ackermann // I look inside you
15.10.2010 - 27.11.2010


 
  Amparo Sard / AT THE IMPASSE
03.09.2010 - 09.10.2010


 
  Kate Waters // The Land of Kubla Khan
11.06.2010 - 17.07.2010


 
  Jurriaan Molenaar // Lessness
30.04.2010 - 05.06.2010


 
  Claudia Rogge //Das Paradies der Zaungäste
05.03.2010 - 24.04.2010


 
  Ivonne Thein // incredible me
22.01.2010 - 27.02.2010


 
  Frank Bauer // Jet Set
27.11.2009 - 15.01.2010


 
  Michael Koch // forever more
23.10.2009 - 21.11.2009


 
  Masaharu Sato // SIGNS
04.09.2009 - 17.10.2009


 
  Harding Meyer // blind date
19.06.2009 - 22.08.2009


 
  Maria Friberg // way ahead
24.04.2009 - 13.06.2009


 
  Claudia Rogge - Bilder der Ausstellungseröffnung
06.03.2009 - 18.04.2009


 
  Claudia Rogge // Isolation ( aus: Segment 8 - die Blasen der Gesellschaft)
06.03.2009 - 18.04.2009


 
  JoJo Tillmann // What you see is what you get
30.01.2009 - 28.02.2009


 
  Sandra Ackermann // Die Wirklichkeit ist nicht die Wahrheit
21.11.2008 - 24.01.2009


 
  Kate Waters - Getting used to the 21st Century
10.10.2008 - 15.11.2008


 
  Mihoko Ogaki - Milky Ways
04.09.2008 - 04.10.2008


 
  Sommer 2008 // Malerei
12.08.2008 - 30.08.2008


 
  Silke Rehberg: Stationen 1,4,6,7,11,12,13,14
13.06.2008 - 12.07.2008


 
  Maia Naveriani: At home with good ideas
09.05.2008 - 07.06.2008


 
  Justin Richel: Rise and Fall
04.04.2008 - 03.05.2008


 
  Davide La Rocca - Strange Object
08.02.2008 - 28.03.2008


 
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30.11.2007 - 02.02.2008


 
  Maria Friberg: Fallout
12.10.2007 - 24.11.2007


 
  Harding Meyer / in sight
06.09.2007 - 11.10.2007


 
  SUMMER '07
17.07.2007 - 01.09.2007


 
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15.06.2007 - 14.07.2007


 
  Sandra Ackermann - Point Blank
02.03.2007 - 28.04.2007


 
  Tamara K.E.: pioneers - none of us and somewhere else
19.01.2007 - 24.02.2007


 
  Till Freiwald
17.11.2006 - 13.01.2007


 
  Claudia Rogge: U N I F O R M
01.09.2006 - 11.11.2006


 
  Kate Waters: Killing Time
05.05.2006 - 17.06.2006


 
  Katia Bourdarel: The Flesh of Fairy Tales
31.03.2006 - 29.04.2006


 
  Mihoko Ogaki: vor dem anfang - nach dem ende
10.02.2006 - 18.03.2006


 
  Silke Rehberg: RICOMINCIARE DAL CORPO
27.01.2006 - 26.02.2006


 
  Sandra Ackermann
08.12.2005 - 15.01.2006


 
  Corrado Zeni
04.12.2005 - 11.01.2006


 
  Frank Bauer
18.11.2005 - 15.01.2006


 
  Harding Meyer
07.10.2005 - 12.11.2005


 
  AUFTAKT
02.09.2005 - 01.10.2005


 
  Claudia Rogge: Rapport
17.06.2005 - 20.07.2005


 
  Silke Rehberg: Schmetterlingssammlung
13.05.2005 - 11.06.2005


 
  Kate Waters: Einzelausstellung in der Gallery Thomas Cohn, Sao Paulo
16.04.2005 - 20.05.2005


 
  Vittorio Gui: FROZEN MOMENTS
08.04.2005 - 07.05.2005


 
  Kay Kaul - ARTSCAPES
03.04.2005 - 29.05.2005


 
  SEO Geheimnisvoller Blick
04.03.2005 - 02.04.2005


 
  Claudia van Koolwijk im Museum Bochum
26.02.2005 - 17.04.2005


 
  Corrado Zeni - Six Degrees of Separation
26.11.2004 - 15.01.2005


 
  Maia Naveriani: What' s the difference between ME and YOU?
15.10.2004 - 20.11.2004


 
  Tamara K.E.: MAD DONNA AND DONNA CORLEONE
03.09.2004 - 09.10.2004


 
  Davide La Rocca: Real Vision Reflex
12.06.2004 - 17.07.2004


 
  Kay Kaul COLLECTORSCAPES
23.04.2004 - 05.06.2004